Das Institut für Sonnenphysik (KIS) veranstaltete einen internationalen Online-Workshop, der sich einer zentralen Herausforderung der modernen Sonnenforschung widmete: Wie können die zahlreichen Sonnenbeobachtungen, die in Europa gewonnen werden, für die breitere astrophysikalische Gemeinschaft auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar (FAIR) gemacht werden?
Der von KIS initiierte und organisierte Workshop knüpfte an die amKIS Science Data Centre (2017–2025) entwickelte Expertise an. Er fand im Rahmen des EU-geförderten Projekts OSCARS FSD – Federation of Solar Data statt. Ziel des Projekts ist es, die FAIR-konforme Archivierung, Kuratierung und gemeinsame Nutzung von Sonnendaten zu stärken und diese mit der übergreifenden astronomischen Dateninfrastruktur zu verknüpfen.
Sonnenbeobachtungen mit dem Virtual Observatory verbinden
Der Workshop vermittelte Mitgliedern der europäischen Sonnenforschung praktische Kenntnisse zur Veröffentlichung von Sonnendatensätzen über etablierte astronomische Virtual-Observatory-(VO-)Infrastrukturen. Die Teilnehmenden lernten, wie Beobachtungsdaten mithilfe etablierter Standards und Dienste aufbereitet, beschrieben und zugänglich gemacht werden können, darunter die IVOA-Standards und EPN-TAP-Protokolle.
Die Bereitstellung von Sonnendatensätzen über diese Infrastrukturen ermöglicht es, sie gemeinsam mit Daten aus anderen Bereichen der Astrophysik aufzufinden und abzurufen. Gleichzeitig eröffnet dies neue Möglichkeiten, Sonnenbeobachtungen mit Datensätzen aus anderen Bereichen der Astronomie zu kombinieren.
So können beispielsweise über VO-Dienste veröffentlichte Sonnendatensätze mit etablierten Werkzeugen wie dem Aladin Sky Atlas (CDS, Straßburg) erschlossen werden. Dadurch werden die Daten auch über spezialisierte Archive für Sonnendaten hinaus sichtbar und zugänglich.
Expertise und europäische Zusammenarbeit
Der Workshop profitierte von der Expertise von Dr. Markus Demleitner vom German Astrophysical Virtual Observatory (GAVO) an der Universität Heidelberg. Seine langjährige Arbeit an astronomischen Datenstandards und der Virtual-Observatory-Infrastruktur bot wertvolle Unterstützung bei den praktischen Schritten, die erforderlich sind, um Sonnendatensätze innerhalb des größeren astronomischen Datenökosystems zugänglich zu machen.
An dem Workshop nahmen Forschende und Datenexpertinnen und -experten aus Institutionen in ganz Europa teil, darunter INAF (Italien), IAC (Spanien), ROB (Belgien), AI SAS (Slowakei), die EST Foundation, IRSOL (Schweiz), die Universität Stockholm (Schweden), die Universität Oslo (Norwegen) und KIS (Deutschland).
Aufbauend auf den Erfahrungen seines Science Data Centre und durch die Vernetzung von Fachwissen aus der europäischen Sonnenforschung trägt KIS dazu bei, Archive für Sonnendaten mit der übergreifenden astronomischen Dateninfrastruktur zu verbinden. Der Workshop ist damit ein weiterer Schritt, um wertvolle Sonnenbeobachtungen fachübergreifend leichter auffindbar und wiederverwendbar zu machen und ihre Integration in das breitere astrophysikalische Datenökosystem zu unterstützen.
