Ulrich Grossmann-Doerth 6. 2. 1928 – 24. 4. 2015

Wir trauern um Dr. Ulrich Grossmann-Doerth, der im April 2015 von uns gegangen ist.

Ulrich Grossmann-Doerth 1928 - 2015

Herr Grossmann-Doerth war von 1968 bis 1993 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kiepenheuer-Institut. Geboren in Hamburg, studierte er Physik ab 1947 in Freiburg und Göttingen und schloss sein Studium 1955 mit dem Diplom ab. Im Jahre 1961 promovierte er bei Werner Heisenberg in München. Nach einer zweijährigen Assistenzzeit am Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik ging er 1963 als Scientific Secretary zur European Space Research Organisation (ESRO) nach Paris, einer Vorläuferorganisation der ESA.

Herr Grossmann-Doerth kam am 1. Januar 1968 zum damaligen Fraunhofer-Institut nach Freiburg, um das Team, welches sich mit dem ballongetragenen Spektro-Stratoskop befasste und aus Karl-Otto Kiepenheuer und Peter Mehltretter bestand, zu verstärken. Darüber hinaus organisierte er die Beteiligung des Instituts an Entwicklungen von Experimenten im Weltraum, unter anderem den für die Spacelab 2 – Mission vorgesehenen Spektrografen PETRA. Nachdem PETRA Ende der Siebziger gegen den amerikanischen Konkurrenten SOUP den Kürzeren zog, befasste sich Herr Grossmann-Doerth mit Steuerungssystemen von wissenschaftlichen Instrumenten, unter anderem mit der Steuerung des Vakuum-Turmteleskops bis zu dessen Fertigstellung Ende der Achtziger Jahre.

Herr Grossmann-Doerth war während der gesamten Zeit am Institut wissenschaftlich sehr aktiv. Viele originelle Ideen begründen seinen bis heute wirkenden internationalen Ruf. Bis zum Ende der siebziger Jahre befasste er sich mit der Spektroskopie und Photometrie der solaren Chromosphäre, vorwiegend basierend auf Beobachtungen am damaligen Observatorium Capri, zusammen mit Marina von Uexküll, Chris Durrant und Franz Kneer, die zu der Zeit Mitarbeiter des Instituts waren. Seit den achtziger Jahren konzentrierte er sich auf die Feinstruktur der Photosphäre, bedingt durch den Zugang zu den viel schärferen Beobachtungen des Vakuum-Newton-Teleskops am heutigen Observatorium Teneriffa zusammen mit Wolfgang Schmidt. Seine Kenntnisse in der Atomphysik und über den Strahlungstransport waren für die Verbindung der Beobachtungen mit den numerischen Simulationen von Manfred Schüssler, Michael Knölker und Oskar Steiner in den Achtzigern und Neunzigern von unschätzbarem Wert. Auch nach seinem Ruhestand beteiligte er sich rege am wissenschaftlichen Leben bis in das neue Jahrtausend hinein.

Uli war ein besonderer Gesprächspartner. Die Kommunikation mit ihm erforderte gelegentlich ein gesundes Selbstvertrauen, dafür war sie immer intellektuell anregend, äußerst interessant und getrieben von einem unbändigen Wissensdurst. Gerade den jüngeren Wissenschaftlern begegnete er auf Augenhöhe, motivierte und ließ sich motivieren, und das nicht nur für die Wissenschaft. Als begeisterter Sportler, Tennisspieler und Skifahrer brachte er einer Generation von Sonnenphysikern das Langlaufen im Schwarzwald bei. Wir verlieren einen guten, väterlichen Freund.

Oskar von der Lühe