Geschichte des KIS

Die Anfangsjahre des KIS bzw. "Fraunhofer-Instituts"

Das alte Sonnenobservatorium auf dem Schauinsland bei Freiburg war im zweiten Weltkrieg die Zentrale des "Fraunhofer-Instituts", das Ergebnisse der Sonnenüberwachung im Rahmen eines Projektes zur Vorhersage von Störungen des Funkverkehrs lieferte. Der Name wurde von Karl-Otto Kiepenheuer 1942 vorgeschlagen und im April 1943 "verliehen", weshalb dieses Jahr als Gründungsjahr des "Fraunhofer-Instituts" anzusehen ist.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs blieb das Observatorium auf dem Schauinsland die Zentrale des "Fraunhofer Instituts". Im Jahr 1955 zog das Institut in die Schöneckstrasse 6 in Freiburg. Die Datensammlungen über die Sonnenaktivität (Integralaufnahmen, Spektroheliogramme) wurden mit wenigen Unterbrechungen von November 1939 bis Ende 1977 durchgeführt. Weitere Informationen dazu und Beispiele digitalisierter Aufnahmen werden separat gegeben.

Das damalige "Fraunhofer-Institut" hatte und hat organisatorisch nichts mit der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. zu tun, außer dass beide den Namen zu Ehren des bayerischen Optikers und Instrumentenbauers Joseph von Fraunhofer (1787-1826) nutz(t)en. Die Fraunhofer-Gesellschaft wurde erst im Jahr 1949 in München gegründet und richtete später mehrere Institute in Freiburg ein. Es kam in den 70er Jahren häufiger zu Verwechslungen. Daher wurde das "Fraunhofer- Institut" nach dem Tod von Karl-Otto Kiepenheuer (1910-1975) im Jahr 1978 in "Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik (KIS)" umgetauft. Mit einem wissenschaftlichen Festkolloquium unter dem Titel "Small scale motions on the Sun" wurde vom 1. bis 3. November 1978 die Umtaufe gefeiert. Die Beiträge dazu sind als Mitteilungen aus dem Leibniz-Institut für Sonnenphysik Nr. 179 im Jahr 1979 (in englischer Sprache) festgehalten worden.

Literatur zur Geschichte des KIS:

Die Anfangsjahre des "Fraunhofer-Instituts" im Krieg und in der Nachkriegszeit wurden von der Wissenschaftshistorikerin Gudrun Wolfschmidt (persönliche WWW-Seite, teilweise in englisch) einige Jahrzehnte später erforscht. Es gibt dazu folgende Publikationen von ihr:

  • Kiepenheuers Gründung von Sonnenobservatorien im Dritten Reich - Kontinuität der Entwicklung zur internationalen Kooperation, im: Wissenschaftlichen Jahrbuch 1992/93 des Deutschen Museums, S.283-318 (1993)
  • Sonnenphysik im Zweiten Weltkrieg: Wissenschaft oder Kriegsforschung ?, in: Meinel, C., Voswinkel, P. (Hg.): Medizin, Naturwissenschaft, Technik und Nationalsozialismus - Kontinuitäten und Diskontinuitäten, Verlag für Geschichte der Naturwissenschaft und der Technik, Stuttgart, S. 152-159 (1994)

Eine Publikation von Wolfgang Mattig mit dem Titel "50 Jahre Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik (KIS)" erschien in Sterne und Weltraum 32, 854 - 861 (1993).

2005 hat Michael P. Seiler mit einer Dissertation unter dem Titel "Solar-terrestrische Physik in Deutschland 1939-1949, Instrumentalisierung und Kontinuität der Forschung" an der Universität Halle-Wittenberg promoviert. Diese ist - nur geringfügig abgeändert - unter dem Titel "Kommandosache >>Sonnengott<< - Geschichte der deutschen Sonnenforschung im dritten Reich und unter alliierter Besatzung" - als Band Nr. 31 der Reihe Acta Historica Astronomiae (1.Aufl., Frankfurt/Main, 2007) als Buch erschienen.