Prof. Dr. Franz-Ludwig Deubner, 2. Juni 1934 - 21. Oktober 2017

Am 21. Oktober 2017 verstarb in Freiburg Prof. Dr. Franz-Ludwig Deubner. Er war Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Sonnenphysik in Freiburg und Professor für Astronomie an der Universität Würzburg und forschte auf dem Gebiet der experimentellen Sonnenphysik. Seine Leistungen und zahlreichen Beiträge auf diesem Gebiet sind unvergessen.

 

Herr Deubner wurde am 2. Juni 1934 in Berlin geboren. Sein Vater Alex Deubner war Physiker, seine Mutter Louise Deubner (geb. Wegener) Pianistin. Nach dem Abschluss des Humanistischen Gymnasiums studierte Deubner Physik und Mathematik an der Technischen Universität Berlin (1953-1956) und an der Universität Freiburg (1956-1958), wo er 1958 sein Studium mit dem Diplom abschloss. Seine erste Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter hatte er am Freiburger Fraunhofer-Institut (später umbenannt in Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik), wo er einen Vektormagnetografen für das institutseigene Schauinsland-Observatorium baute (1959-1960). Im Jahr 1962 begann K.O. Kiepenheuer mit dem Ausbau der Station auf Capri (Italien), für die Deubner einen neuen Magnetografen entwickelte, der 1966 in dem neuen, kuppellosen Coudé-Refraktor installiert wurde. Nicht nur der Entwurf für dieses architektonisch bemerkenswerte Teleskop stammte von Deubner (in Zusammenarbeit mit seiner Frau), sondern er war auch für die Programmierung des Siemens-Rechners für die Steuerung von Teleskop und Magnetograf verantwortlich, einer Neuheit für die damalige Astronomie. Wesentlicher Bestandteil dieses Magnetografen war der „Doppler-Kompensator“, ein elektromechanischer Steuermechanismus, der die Zentrierung einer Spektrallinie sicherstellte und so die genaue Messung der linearen und zirkularen Polarisation der Linie ermöglichte. Der Winkel der rotierenden Glasplatte dieser Einrichtung eignete sich hervorragend als Maß für die Dopplerverschiebung, und so machte sich Deubner daran, die neu entdeckten Oszillationen der Sonne genauer zu untersuchen. 1969 schloss er seine Promotion mit einer Arbeit über die mit diesem Instrument gewonnenen Daten ab.

 

Sein wahrscheinlich wichtigster Beitrag zur Sonnenphysik war seine zukunftsweisende Publikation im Jahr 1975 (Astron. Astrophys. 44, 371), in der er nachwies, dass es sich bei den fünfminütigen Oszillationen um nicht-radiale Eigenmoden der Sonne mit niedriger Wellenzahl handelt. Diese Veröffentlichung markiert den Beginn der Helioseismologie, einem neuen Bereich der Sonnenphysik, der in den darauf folgenden Jahrzehnten exponentiell wuchs. In dem genannten Artikel stellte Deubner fest, dass die von Roger Ulrich 1970 gemachten theoretischen Vorhersagen über aufgefangene Schallwellenmoden „in einem beschämenden Maße“ mit den Beobachtungsergebnissen übereinstimmten und dass die Wissenschaft dank dieser Beobachtungen „ein hervorragendes Diagnosewerkzeug für die Erforschung der Strukturen unserer Sonne zur Hand“ hatte.  Auf diese bahnbrechende Abhandlung folgte 1979 eine dreiteilige Artikelreihe zusammen mit Roger Ulrich und Ed Rhodes, in der die Autoren zum ersten Mal die Oszillationen dazu verwenden, die differentielle Rotation in Abhängigkeit von der Tiefe im Sonneninneren zu messen.

 

Interessanterweise hatte Deubner fünfminütige Oszillationen in seinen Daten beobachtet, als er im Rahmen seiner Doktorarbeit am Freiburger Schauinsland-Observatorium arbeitete, noch vor Bob Leighton. Aber Deubner war ein vorsichtiger Beobachter und er konnte nicht glauben, dass es sich bei diesen Oszillationen um echte Phänomene der Sonne handelte. Er hielt sie für eine Periodizität im Spektrografen und veröffentlichte deshalb seine Ergebnisse nie.

 

Im Jahr 1979 folgte Deubner einem Ruf an die Universität Würzburg, wo er den Lehrstuhl für Astronomie übernahm und Dekan der Fakultät für Physik und Astronomie wurde. Gleichzeitig mit diesem Wechsel veränderte sich sein Forschungsschwerpunkt weg von der „etablierten Helioseismologie“ hin zu hochauflösenden Studien der Dynamik der Sonnenatmosphäre, mit besonderem Gewicht auf chromosphärische Wellen. Deubner leitete die Fakultät für Physik und Astronomie von 1991 bis 1993 und ging 1999 in den Ruhestand. Er betreute zahlreiche Diplomstudierende und Doktoranden.

 

Deubner verbrachte mehrere längere Forschungsaufenthalte am National Solar Observatory am Sacramento Peak, wo er als der Beobachter bekannt war, der regelmäßig im Aufzug des Vacuum Tower Telescope Cello spielte. Er war Mitglied des Redaktionsbeirats für Sonnenphysik und Vorsitzender der Commission 12 Solar Radiation & Structure der IAU.

 

Deubner war ein leidenschaftlicher Wissenschaftler, ein Intellektueller und ein umfassend gebildeter Humanist. Die Kunst und die Musik, insbesondere das Cello, waren seine zweite Liebe. Lange hatte er gezögert, ob er Musik oder Physik studieren sollte, und während seines ganzen Lebens musizierte er regelmäßig in Streicherquartetten mit Freunden und Kollegen. Er spielte auch auf wissenschaftlichen Konferenzen (z.B. beim Soesterberg-Solar-Surface-Magnetism-Workshops 1993, mit Pierre Mein am Klavier und Rob Rutten als Flötist). Nach seiner Pensionierung stand für ihn die Musik an erster Stelle. Deubner hinterlässt seine Zwillingstöchter Maacha und Rachel und drei Enkelkinder.

 

 

 

                                                                                                                                  Bernhard Fleck

                                                                                                                          Oskar von der Lühe