Dr. Reiner Hammer 1950 - 2020

Dr. Reiner Hammer verstarb am 18. Juni 2020 nach kurzer schwerer Krankheit, nur wenige Wochen vor seinem 70. Geburtstag.

Dr. Reiner Hammer 1950 - 2020

Reiner Hammer wuchs im Norden Baden-Württembergs auf und studierte Physik an der Universität Würzburg, wo er 1975 sein Diplom erhielt. Die Diplomarbeit, die von Prof. Dr. Peter Ulmschneider betreut wurde, befasste sich mit einem Vergleich numerischer Methoden zur Berechnung hydrodynamischer Probleme in der Astrophysik. Er promovierte mit Auszeichnung in Physik, ebenfalls unter der Leitung von Peter Ulmschneider, über "Structure, energy balance, and mass loss of stellar coronae". Für seine Dissertation erhielt er 1982 den Heinz-Maier-Leibnitz-Preis für Nachwuchswissenschaftler des Bundesforschungsministeriums.

Von 1982 bis 1983 war Reiner als PostDoc am Joint Institute for Laboratory Astrophysics (JILA) an der University of Colorado in Boulder (CO, USA) tätig. Er kehrte nach Deutschland zurück, um eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Heidelberg anzunehmen, und trat im Dezember 1984 in das Kiepenheuer-Institut in Freiburg ein. In den Jahren 1991 und 1992 besuchte er für 6 Monate das Marshall-Space-Flight Center in Huntsville Alabama (USA). Auch nach seiner Pensionierung Ende 2015 nahm er weiterhin am Forschungsleben des Instituts teil und übernahm Verantwortung für die Öffentlichkeitsarbeit.

Reiners Forschungsthema waren Wellen in solaren und stellaren Chromosphären und Koronen. Zusammen mit Anastasios Nesis hat er auch die Physik der photosphärische Granulation erforscht. Darüber hinaus war er auf vielen Gebieten der Physik sehr bewandert, darunter die Allgemeine Relativitätstheorie, der Elektromagnetismus und die Gordon-Klein Gleichung im Zusammenhang mit der Plasma Physik. Reiner betreute und motivierte viele junge KIS-Wissenschaftler durch seine Fragen, Ratschläge und durch wissenschaftlichen Diskussionen. In den letzten Jahren engagierte er sich, indem er exzellenten Führungen im Sonnenobservatorium auf dem Schauinsland organisierte, die als ein Höhepunkt der Öffentlichkeitsarbeit des Instituts gelten.

Reiner war eine bemerkenswerte und höchst geschätzte Quelle der Weisheit. Er war offen, kommunikativ und zugänglich, aber nie ein Mensch, der sich in den Vordergrund drängte. Reiner wurde von allen seinen Kollegen hoch geschätzt, und wir haben einen feinen Menschen und einen guten Freund verloren.