Ein Meilenstein für das Visible Tunable Filter

Das weltweit größte jemals gebaute Fabry-Perot Interferometer (FPI) wird in den kommenden Monaten am Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik aufgebaut und getestet werden. Zu den wichtigsten Komponenten gehören zwei Platten aus hochreinem Quarzglas, die jeweils auf einer Seite mit einer hoch reflektierenden Schicht versehen sind. Die beschichtete Fläche hat einen Durchmesser von 28 cm. Die Ebenheit der Fläche liegt im Mittel bei sagenhaften 0.000 000 001 Metern über die gesamte Fläche - das ist so, als hätte der Titisee im Schwarzwald nur Wellen, die kleiner sind als 5 Mikrometer (1/10 eines Haares). Die Rauigkeit der beschichteten Fläche im Kleinen ist nochmals um einen Faktor 10 besser und entspricht der Größe einzelner Atome.

Das Foto zeigt die obere Platte des später horizontal montierten FPI bei der optischen Vermessung der Platte nach dem Beschichten bei Laboratoire des Matériaux Avancés (LMA). Zu sehen ist die hochreflektierende Beschichtung auf der späteren „Innenseite“ des FPI. Die drei Aussparungen dienen der Aufnahme von drei Piezo-Aktoren, mit deren Hilfe der Plattenabstand im nm-Bereich verstellt werden kann. Die Bearbeitung des Glassubstrats und das Superpolieren der Platte wurde von Zygo-Ametek in Richmond, Kalifornien durchgeführt. Die Beschichtung der Platten mit einer Ionenkanone wurde vom LMA in Lyon durchgeführt.

Vor wenigen Tagen ist die erste, fertig beschichtete Platte beim KIS angekommen. Sie wird nun gehütet werden "wie ein Augapfel", bis dann im August 2017 die zweite Platte ankommen wird, und ab September der komplizierte Zusammenbau mit Piezo-Antrieben und hochpräzisen optischen Encodern beginnen wird.

Dieses FPI ist das Herzstück des "Visible Tunable Filter" (VTF), das derzeit am KIS entwickelt wird. Das VTF wird als Fokalinstrument am US-amerikanische Daniel K. Inouye Solar Telescope eingesetzt werden. Dieses Teleskop wird derzeit auf der Hawaii-Insel Maui gebaut und wird das mit Abstand größte Sonnenteleskop der Welt sein.